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Erreichbarkeit des Arbeitnehmers im Urlaub und Rückruf aus dem Urlaub zur Arbeit?

Nach § 1 Bundesurlaubsgesetz hat jeder Arbeitnehmer in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Der gesetzliche Mindesturlaub von 4 Wochen (24 Tage bei einer 6-Tage-Woche oder 20 Tage bei einer 5-Tage-Woche) ist nicht abdingbar und ist darüber hinaus auch nicht von einem konkreten Erholungsbedürfnis abhängig.

Der Urlaub wird vom Arbeitgeber zeitlich festgelegt. Er hat dabei die Wünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, soweit nicht dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer unter sozialen Gesichtspunkten Vorrang genießen. Mit der Festlegung des Urlaubszeitraums hat der Arbeitnehmer das Recht, anstelle der geschuldeten Arbeitsleistung die ihm zustehende Freizeit uneingeschränkt und selbstbestimmt zu nutzen.

Mit dem Grundsatz der selbstbestimmten Nutzung der Urlaubszeit ist es nicht vereinbar, wenn mit dem Arbeitnehmer entweder ausdrücklich vereinbart wird, dass er für Anfragen des Betriebes – zum Beispiel per Telefon oder E-Mail – zur Verfügung steht oder dies ohne besondere Absprache praktiziert wird. Der Arbeitgeber hat also keinen Anspruch darauf, Sie während eines erteilten Urlaubs zu kontaktieren.

Ebenso strenge Regeln gelten für den Abbruch des Urlaubs. Der Rückruf aus einem einmal angetretenen Urlaub kommt regelmäßig nicht in Betracht. Ausnahmen hiervon gibt es nur in einer betrieblichen Notsituation. Liegt ein echter Notfall vor, ist der Arbeitnehmer ausnahmsweise verpflichtet, auch während des Urlaubs für Auskünfte zur Verfügung zu stehen und ihn gegebenenfalls auch vorzeitig zu beenden. Der Begriff des „echten Notfalls“ ist jedoch eng auszulegen. In der einschlägigen Fachliteratur wird dies auf Fälle beschränkt, in denen beispielsweise der Zusammenbruch des Unternehmens durch die Anwesenheit des Mitarbeiters verhindert werden kann oder eine Interessenabwägung ergibt, dass dem Betrieb ein Festhalten an der Urlaubsgewährung unzumutbar wäre.

Erklärt sich der Arbeitnehmer freiwillig bereit, für Fragen zur Verfügung zu stehen oder bei Bedarf seinen Urlaub zu unterbrechen, ist ihm dies unbenommen und für die Erfüllung des Urlaubsanspruchs unschädlich. Kein Arbeitnehmer ist zur Erholung verpflichtet.

Ihre Anwaltskanzlei Gras und Krimmel in Kirchheim unter Teck