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Aufklärungspflicht eines Tierarztes

Entscheidung OLG Hamm vom 13.01.2015, 26 U 95/14

Bei dieser Entscheidung ging es um ein Dressurpferd, dass die Eigentümer drei Jahre zuvor für 300.000 € gekauft hatten. Das Pferd fiel bei einem Turnier durch fehlende Elastizität und fehlenden Schwung auf. Der behandelnde Tierarzt stellte die Verdachtsdiagnose „Ataxie“ (Störung der Bewegungskoordination) und empfahl eine chiropraktische Maßnahme. Er legte das Pferd in Kurznarkose, um die chiropraktische Behandlung durchzuführen. Danach konnte das Pferd nicht mehr selbstständig aufstehen und verstarb einen Tag später. Die Eigentümer verlangten vom Tierarzt Schadensersatz für den Verlust des Pferdes wegen falscher Behandlung und unzureichender Aufklärung in Höhe von circa 500.000 € abzüglich der geleisteten Lebensversicherung von circa 90.000 €.

Grundsätzlich ist die von einem Tierarzt zu fordernde Aufklärung nicht mit der Humanmedizin zu vergleichen, weil es nicht um das schützenswerte Selbstbestimmungsrecht eines Patienten geht. Tierärzte haben aber eine allgemeine vertragliche Aufklärungs-und Beratungspflicht, wenn die Behandlung des Tieres besonders risikoreich ist und hohe finanzielle Interessen des Eigentümers eine Rolle spielen.

Der Tierarzt hatte es im vorliegenden Fall versäumt, die Eigentümer ausreichend über Risiken des Eingriffs und alternative Behandlungsmethoden aufzuklären.

Eine Vollnarkose ist nach Auffassung des gerichtlichen Sachverständigen bei einem ataktischen Pferd mit besonderen Risiken verbunden, da die Pferde beim Aufstehen besondere Koordinationsschwierigkeiten haben. Der Sachverständige führte aus, es gebe risikoärmere andere Behandlungsmöglichkeiten in Form einer operativen, medikamentösen oder chiropraktischen Behandlung am stehenden Pferd, auf die die Eigentümer hätten hingewiesen werden müssen.

Nach Auffassung des Gerichts müsse angesichts des Wertes des Pferdes, dessen Alter und dessen Ausbildungsstand den Eigentümern ermöglicht werden, eine Risikoabwägung vorzunehmen. Es sei allein Sache der Eigentümer, in Kenntnis aller Möglichkeiten selbst zu entscheiden, ob sie das besondere Risiko beim Aufstehvorgang eingehen oder zunächst lieber risikoärmere Maßnahmen wie Medikamente oder insbesondere die Behandlungen am stehenden Pferd ausprobieren beziehungsweise sich dazu noch eine weitere Meinung bei einem anderen Tierarzt einholen wollen. Bei ordnungsgemäßer Aufklärung hätten die Eigentümer nicht in die vom Tierarzt durchgeführte Behandlung eingewilligt.

Ihre Anwaltskanzlei Gras und Krimmel