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Verkehrsunfall durch unachtsames Öffnen der Fahrertür

Öffnet der Fahrer eines am rechten Fahrbahnrand geparkten Fahrzeugs aus Unachtsamkeit die Autotür in den Verkehrsraum des fließenden Verkehrs hinein und verursacht er dadurch einen Verkehrsunfall mit einem vorbeifahrenden Fahrzeug, dann begründet das seine volle Haftung.

Landgericht Stuttgart vom 22.4.2015, Aktenzeichen 13 S 172/14

Der aussteigende Fahrer hatte sein Fahrzeug am rechten Fahrbahnrand geparkt und die Fahrertür in den Verkehrsraum geöffnet, ohne auf den fließenden Verkehr zu achten. Der vorbeifahrende Fahrer fuhr mit seinem Fahrzeug ohne Verschulden gegen die geöffnete Tür. In dem Rechtsstreit vor dem LG Stuttgart ging es um die Haftungsverteilung zwischen den beiden Verkehrsteilnehmern. Trifft den Fahrer des vorbeifahrenden Fahrzeugs eine Mitschuld oder muss er sich die Betriebsgefahr seines Fahrzeugs anrechnen lassen?

Das LG Stuttgart entschied, dass den Fahrer des vorbeifahrenden Fahrzeugs keine Mitschuld trifft und dass er sich auch die Betriebsgefahr seines Fahrzeugs nicht anrechnen lassen muss. Der Fahrer des geparkten Fahrzeuges musste seinen gesamten Schaden alleine tragen.

Das Landgericht ging davon aus, dass gerade bei dem plötzlichen Öffnen der Fahrertür eines parkenden PKWs unter Verstoß gegen Paragraph 14 StVO nach ganz herrschender Ansicht von einem solchen schweren Verschulden auszugehen sei, weil das Fließen des Verkehrs nur dann gewährleistet sei, wenn sich die mit angemessener Geschwindigkeit und regelgerechtem Abstand Vorbeifahrenden darauf verlassen könnten, dass nicht unerwartet eine Fahrzeugtür in den Fahrbereich hinein geöffnet werde. Es liege auch keine erhöhte Betriebsgefahr vor, welche ausnahmsweise nicht zurückträte. Der Aussteigende müsse auch bei regem am Parksuchverkehr mit großer Vorsicht vorgehen und ein Fahrender darf sich darauf verlassen, dass nicht unvermittelt eine Tür geöffnet werde. Es bestehe auch bei Personen auf dem Gehweg kein Anlass, einen größeren Abstand als 0,5 m zu parkenden Fahrzeugen einzuhalten oder besonders langsam (deutlich unter 30 km/h) zu fahren.

Ihre Anwaltskanzlei Gras und Krimmel